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Yojiro Hamasaki: Mit Geige und Gitarre von Hiroshima nach Lichtensteig

15. Oktober 2026
Von Hiroshima über Tokio und Italien ins Toggenburg: Yojiro Hamasakis Weg zum Geigen- und Gitarrenbau führte über einige Umwege. Seit 2006 lebt er in Lichtensteig, sein Atelier betreibt er in Wattwil und Sevelen, wo er Instrumente baut, repariert und restauriert.

Eine Aufnahme des französischen Jazzgeigers Stéphane Grappelli brachte bei Yojiro Hamasaki einiges ins Rollen. Damals war er 20 Jahre alt, studierte in Tokio und spielte Schlagzeug in einem Jazz-Studentenclub. Von der Geige hatte er zunächst wenig Ahnung. Doch der Klang begeisterte ihn so sehr, dass er sich kurzerhand selbst eine kaufte und zu spielen begann. 

Heute betreibt er in Wattwil und in Sevelen ein Atelier für Geigen und Gitarren. Dass er einmal im Toggenburg landen und in Lichtensteig sein Zuhause finden würde, hätte er sich damals kaum vorstellen können. 

Ein Foto, das alles veränderte

Aufgewachsen ist Yojiro Hamasaki in Hiroshima in Japan. Nach seinem Studium in Tokio begann er, sich immer intensiver mit der Geige zu beschäftigen. Er probierte verschiedene Saiten aus und wollte verstehen, wie sich der Klang eines Instruments verändern lässt. Etwa ein Jahr nach seiner ersten Begegnung mit der Jazzgeige besuchte er eine kleine Geigenbauwerkstatt in Tokio. Dort entdeckte er ein Foto des Geigenbauers mit Stéphane Grappelli. Der Musiker hatte von diesem Geigenbauer einst ein Instrument geschenkt bekommen. «Die Begegnung mit dieser Geschichte und der Persönlichkeit des Geigenbauers traf mich wie ein Blitz», erinnert sich Yojiro Hamasaki. Von da an besuchte er die Werkstatt regelmässig und begann nach seinem Studienabschluss, unter Anleitung seine ersten Geigen zu bauen. Als er an seiner zweiten Geige arbeitete, empfahl ihm sein Meister, nach Cremona in Italien zu gehen. Dort absolvierte er seine Ausbildung zum Geigenbauer. Anschliessend arbeitete er zwei Jahre bei einem Geigen- und Gitarrenbaumeister in Modena. Hier lernte er auch den Bau von Konzertgitarren und die Restaurierung historischer Instrumente kennen. 

Eine Geige ist wie ein Lebenspartner

In seiner Werkstatt in Wattwil entstehen neue Geigen und Konzertgitarren. Doch längst gehört noch viel mehr zum Alltag. Reparaturen, Restaurationen, Verkauf, Vermietung und die Beratung rund um Streich- und Zupfinstrumente nehmen einen grossen Teil seiner Arbeit ein. Seit 2012 betreibt er zudem einen Onlineshop. 

Und was macht für ihn ein gutes Instrument aus? Yojiro Hamasaki hat darauf eine ganz persönliche Antwort: 

«Für mich ist ein gutes Instrument wie ein Lebenspartner oder eine Lebenspartnerin: Es schenkt Freude und Inspiration und ist weit mehr als ein blosses Werkzeug zur Klangerzeugung.» 
Yojiro Hamasaki, Geigen- und Gitarrenbauer 

Wie bei einer guten Beziehung brauche es auch bei einem Instrument Aufmerksamkeit und Pflege, erklärt er. Beim Bauen versucht er, die Eigenheiten des Holzes und der anderen Materialien zu verstehen. Es geht ihm darum, genau hinzuhören und herauszufinden, wie sich ihre Eigenschaften am besten entfalten können. 

Der Geigenbau verbindet für ihn Musik, Geschichte, Natur, Wissenschaft und Kunst. Langweilig wird es da kaum. «Was mich an meiner Arbeit bis heute besonders fasziniert, sind die Begegnungen mit interessanten Menschen, aussergewöhnlichen Instrumenten, neuem Wissen, persönlichen Geschichten und vielfältigen Klängen», sagt Yojiro Hamasaki begeistert. 

Von Japan ins Toggenburg

Nach Lichtensteig kam Yojiro Hamasaki 2006 wegen seiner damaligen Freundin und heutigen Ehefrau, die bereits hier wohnte. Inzwischen lebt er länger im Städtli als in seiner Geburtsstadt Hiroshima. Seine ersten Kontakte in der Region entstanden unter anderem durch einen Deutschkurs an der damaligen Migros Clubschule. Seine Lehrerin stellte ihn ihrem Mann vor, der als Geigenlehrer an der Musikschule Toggenburg und an der Kantonsschule Wattwil tätig war. Aus dieser Begegnung entstanden musikalische Projekte, die Yojiro Hamasaki bis heute in Erinnerung geblieben sind. 2008 reisten die beiden gemeinsam nach Japan, um einen Austausch mit einem japanischen Jugendorchester zu organisieren. Zwei Jahre später ging das Jugendorchester «il mosaico» auf Konzerttournee durch Japan. 

Besonders eindrücklich blieb ihm das Jahr 2011. Kurz nach dem schweren Erdbeben, dem Tsunami und der Nuklearkatastrophe von Fukushima kam ein Jugendorchester mit Schülerinnen und Schülern aus ganz Japan ins Toggenburg. Gemeinsam organisierten sie ein Benefizkonzert in der evangelischen Kirche in Wattwil. Bis kurz vor dem Anlass war ungewiss, ob das Konzert überhaupt stattfinden konnte. Solche Erlebnisse hätten zwar nicht unmittelbar mit dem Geigenbau zu tun, seien aber ein wichtiger Teil seines Lebens, erzählt Yojiro Hamasaki. 

«Was meinen Lebensweg geprägt und mich hierhergeführt hat, waren vielmehr zufällige Begegnungen und Begeisterung.» 
Yojiro Hamasaki, Geigen- und Gitarrenbauer
 

Vom Rebberg zur Jazz-Session

Musik spielt eine grosse Rolle im Leben von Yojiro Hamasaki. Seit einigen Jahren musiziert er in verschiedenen regionalen Formationen. Dieses Jahr hat er sich zudem etwas Neues vorgenommen: Er nimmt mit seiner Geige an Jam-Sessions teil und möchte sich noch intensiver mit Improvisation beschäftigen. 

Wobei Freizeit bei ihm ein relativer Begriff ist. «Wenn ich nicht an der Werkbank stehe, verbringe ich gefühlt Tag und Nacht vor dem PC, um administrative Arbeiten zu erledigen», meint er schmunzelnd.  

An Lichtensteig schätzt er besonders, wie sich das Städtli in den vergangenen 20 Jahren kulturell entwickelt hat. Dass Menschen eigene Ideen einbringen und gemeinsam Projekte umsetzen, gefällt ihm. Und auch sprachlich hat er eine schöne Verbindung zwischen seiner alten und seiner neuen Heimat entdeckt: Japan ist das Land der aufgehenden Sonne, und im Namen Lichtensteig erkennt er das aufsteigende Licht wieder. 

«Japan ist das Land der aufgehenden Sonne, und im Namen Lichtensteig erkenne ich das aufsteigende Licht wieder.» 
Yojiro Hamasaki, Geigen- und Gitarrenbauer 

Seit 20 Jahren lebt Yojiro Hamasaki nun in der Schweiz, seit 25 Jahren in Europa. Die Hälfte seines Lebens hat er damit ausserhalb Japans verbracht. Vieles davon war nicht geplant. Neue Begegnungen, Neugier und Begeisterung haben ihn immer wieder weitergeführt. Und wer weiss, welche Ideen und Projekte als Nächstes daraus entstehen.  

Yojiro Hamasaki (49) wuchs in Hiroshima in Japan auf und studierte in Tokio. Seine Ausbildung zum Geigenbauer absolvierte er in Cremona, Italien. Anschliessend vertiefte er seine Kenntnisse im Geigen- und Gitarrenbau sowie in der Restaurierung historischer Instrumente in Modena. Seit 2006 lebt er in Lichtensteig. In seiner Werkstatt in Wattwil und in Sevelen baut, repariert, restauriert, verkauft und vermietet er Streich- und Zupfinstrumente. 

Weitere Informationen: www.hlgeigenbau.chExterner Link wird in einem neuen Fenster geöffnet. 

Text: Nadja Brändle, Stadtverwaltung Lichtensteig 
Bilder: Yojiro Hamasaki 

Yojiro Hamasaki mit einer Geige