MINI.STADT
Inhalt
5 Mini.Fragen an Marc Rechsteiner
Gleichzeitig ist die Galerie Teil einer Hauptgasse, in der sich vieles bewegt. Neue Ideen, Zusammenarbeit unter den Gewerbetreibenden und Menschen, die mit eigenen Projekten etwas aufbauen möchten, sorgen dafür, dass sich das Städtli immer wieder weiterentwickelt.
Marc, vor zwei Jahren hast du die Jähllery eröffnet. Wie waren diese ersten beiden Jahre?
Es waren zwei sehr spannende und lehrreiche Jahre. Natürlich braucht es Zeit, bis sich eine Galerie etabliert und die Leute wissen, was hier alles passiert. Das war mir von Anfang an bewusst. Umso schöner ist es, dass sich inzwischen immer mehr Kontakte, Möglichkeiten und neue Ideen ergeben. Gerade in den letzten Wochen sind einige Dinge entstanden, die mich sehr zuversichtlich stimmen und auch für die weitere Entwicklung der Jähllery wichtig sind.
Ich habe in dieser Zeit auch viel darüber gelernt, was für den Raum und die Besucherinnen und Besucher funktioniert. Am Anfang waren beispielsweise meine eigenen Illustrationen stärker präsent. Mittlerweile stehen wechselnde Ausstellungen und die Begegnung mit unterschiedlichen Kunstschaffenden mehr im Zentrum.
Neu kann die Jähllery zudem für Veranstaltungen gemietet werden, auf Wunsch auch mit Apéro. Dabei möchte ich möglichst mit anderen Betrieben aus dem Städtli zusammenarbeiten. Gerade dieses Netzwerk finde ich schön: Wenn verschiedene Gewerbe zusammenspannen, profitieren am Ende alle davon und es entsteht wieder etwas Neues.
Jetzt kommen gleich zwei Ausstellungen. Was erwartet uns?
Den Anfang macht Marco Tribelhorn mit «Natural Grown Abstract». Er arbeitet fotografisch mit Formen und Strukturen, die direkt in der Natur entstehen, beispielsweise mit Holz, Eiszapfen oder Luftblasen, die im Eis eingeschlossen sind.
Das bildet einen spannenden Kontrast zu meinen eigenen Arbeiten, in denen momentan viel Grau, Architektur und Industrie vorkommen. Ich finde es faszinierend zu sehen, wie stark sich ein Raum allein durch neue Bilder verändern kann und wie unterschiedlich die Besucherinnen und Besucher darauf reagieren.
Danach kommt Sam Stauffer aus Langenthal. Er arbeitet sehr vielseitig, malt, fotografiert und macht Musik. In seiner Ausstellung treffen unter anderem Malerei, Fotografie und Spiralsteine aufeinander. Dazu kommt keltische Volksmusik. Darauf freue ich mich besonders, weil in der Jähllery damit erstmals Bild und Musik miteinander verbunden werden.
Das Schöne an solchen Gastausstellungen ist auch, dass immer wieder neue Menschen den Weg in die Galerie und damit auch in die Hauptgasse finden. Jede Ausstellung bringt ihre eigene Stimmung und ihr eigenes Publikum mit.
Was muss Kunst haben, damit du sie bei dir in der Galerie an die Wand hängen möchtest?
Für mich ist wichtig, dass mich die Arbeiten persönlich ansprechen und dass ich dahinterstehen kann. Wenn ich Kunst in der Jähllery zeige, möchte ich sie den Besucherinnen und Besuchern mit Freude vorstellen können.
Besonders schön finde ich es, wenn die Kunstschaffenden selbst möglichst oft vor Ort sind. Ich kann natürlich erzählen, wer ein Werk geschaffen hat und worum es dabei geht. Aber die Künstlerinnen und Künstler selbst können nochmals ganz anders erzählen, weshalb etwas entstanden ist, was sie beschäftigt hat oder welche Geschichte hinter einem Werk steckt.
Dieser direkte Austausch macht eine Ausstellung lebendig. Genau solche Begegnungen möchte ich mit der Jähllery ermöglichen.
Viele Menschen schauen ins Schaufenster. Wie möchtest du sie noch stärker dazu einladen, auch hereinzukommen?
Das Schaufenster weckt auf jeden Fall viel Interesse, und ich würde mich freuen, wenn noch mehr Menschen ganz unkompliziert hereinkommen und sich umsehen.
Eine Galerie wirkt vielleicht auf manche zunächst etwas zurückhaltender als ein klassischer Laden. Dabei muss hier niemand das Gefühl haben, etwas kaufen zu müssen. Für mich gehört der Austausch genauso dazu. Wenn jemand hereinkommt, sich die Bilder anschaut, ein Gespräch entsteht oder die Person später jemandem von der Ausstellung erzählt, ist das ebenfalls wertvoll.
Ich selbst schätze es auch, wenn man einen Raum zuerst in Ruhe entdecken kann. Deshalb dürfen die Leute hier ganz entspannt schauen. Vielleicht kommen irgendwann noch ein oder zwei Tischchen dazu, drinnen oder vor der Jähllery, und man kann bei einem Kaffee verweilen. Solche kleinen Dinge können helfen, Galerie, Hauptgasse und Begegnung noch stärker miteinander zu verbinden.
Als du mit der Jähllery angefangen hast, hast du gesagt: «Wenn man im Toggenburg etwas mit Kunst machen will, muss man nach Lichtensteig.» Gilt das immer noch?
Ja, für mich auf jeden Fall. Lichtensteig ist ein Ort, an dem in Sachen Kunst, Kultur und kreativen Projekten sehr viel passiert. Das Spannende ist, dass hier nicht nur bestehende Angebote weitergeführt werden, sondern auch immer wieder neue Ideen entstehen.
Gerade an der Hauptgasse merkt man, dass Veränderung nicht automatisch etwas Negatives sein muss. Es kommen neue Menschen, neue Konzepte und neue Formen des Gewerbes dazu. Ich finde es schön zu sehen, wenn sich auch jüngere Leute entscheiden, etwas Eigenes aufzubauen und sich dem lokalen Gewerbe zu widmen. Das braucht Mut, Einsatz und viel Arbeit, bringt aber gleichzeitig neue Energie ins Städtli.
Was ich besonders schätze, ist das Miteinander unter den Gewerbetreibenden. Man empfiehlt sich gegenseitig weiter, tauscht sich aus und versucht, Dinge gemeinsam möglich zu machen. Niemand verliert etwas, wenn man einen Gast auch einmal zum nächsten Laden schickt. Im Gegenteil: Wenn die Hauptgasse als Ganzes lebt, profitieren alle davon.
Genau diese Mischung aus Kultur, Gewerbe, neuen Ideen und persönlichem Engagement macht Lichtensteig für mich weiterhin zum richtigen Ort für die Jähllery.
Agenda Jähllery
Marco Tribelhorn – Natural Grown Abstract
24. Oktober bis 14. November 2026
Vernissage: 24. Oktober, 16–21 Uhr
Finissage: 14. November, 16–21 Uhr
Sam Stauffer – Celtic Folk · Fotografie · Malerei · Spiralsteine
21. November bis 19. Dezember 2026
Vernissage: 21. November, 9–17 Uhr
Matineekonzert: 6. Dezember, ab 11 Uhr
Finissage: 19. Dezember, 9–17 Uhr
Öffnungszeiten Jähllery
Donnerstag: 9–13 / 14–19 Uhr
Freitag: 9–13 / 14–21 Uhr
Samstag: 9–13 / 14–17 Uhr
Hauptgasse 22, 9620 Lichtensteig
Text: Nadja Brändle (Stadtverwaltung)
Fotos: Selina Annen
Zugehörige Objekte
| Name | Download | ||
|---|---|---|---|
| Ausstellung Marco Tribelhorn 24.10. bis 14.11.2026 (JPG, 3.24 MB) | Download | 0 | Ausstellung Marco Tribelhorn 24.10. bis 14.11.2026 |
| Ausstellung Sam Stauffer 21.11. bis 19.12.2026 (JPG, 5.72 MB) | Download | 1 | Ausstellung Sam Stauffer 21.11. bis 19.12.2026 |




