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Maura Kressig: Kinder planen das Kinderfest mit

13. August 2026
Ende August gehört das Städtli wieder den Kindern. Und das nicht nur für einen Tag: Schon seit dem Frühling tüfteln rund neun Kinder gemeinsam mit dem Rathaus für Kultur am diesjährigen Kinderfest. Sie entscheiden mit, was auf die Bühne kommt, entwickeln eigene Stände und lernen nebenbei, dass eine Seilbahn quer durchs Städtli zwar eine ziemlich gute Idee ist – aber nicht ganz einfach umzusetzen.

Maura Kressig spricht im Interview über wilde Ideen, die Mitwirkung durch die Jüngsten und die Frage, weshalb am Kinderfest auch Erwachsene wieder ein bisschen zu Kindern werden.

Maura, Ende August gehört das Städtli wieder den Kindern. Was erwartet uns am Kinderfest 2026?

Es gibt kreative und kulturelle Angebote, Spiel und Bewegung, aber auch Dinge zum Werken, Bauen und Entdecken. Uns ist diese Vielfalt wichtig, weil auch Kinder sehr unterschiedliche Interessen haben.

Was sich über die Jahre stark entwickelt hat, ist die Mitwirkung des Kinder-OKs. Einige Kinder sind schon länger dabei und entscheiden immer selbstbewusster mit, was ins Programm kommt. Dieses Jahr betreuen sie auch mehrere eigene Stände. Die Akrobatiknummer mit zwei Akrobatinnen auf Hoverboards und Einrad war zum Beispiel ein Wunsch der Kinder. Auch Giada Vitiello wollten sie gerne dabeihaben und konnten mit ihr auswählen, welche Lieder sie singt. Darauf sind sie ziemlich stolz!

Mitdenken, diskutieren, mitentscheiden: Im Kinder-OK bringen die Kinder ihre eigenen Ideen ein und gestalten das Kinderfest gemeinsam mit.

Das Kinderfest in drei Worten?

Vielfalt, Partizipation, Miteinander. Partizipativ ist es sowohl in der Organisation als auch am Fest selbst. Uns ist wichtig, dass die Kinder nicht einfach von Angebot zu Angebot gehen und konsumieren. Sie sollen selber etwas machen, ausprobieren und mitgestalten können.

Und das Miteinander ist natürlich zentral. Das Kinderfest könnten wir als Rathaus für Kultur niemals alleine auf die Beine stellen. Es funktioniert, weil sehr viele Vereine und Organisationen etwas dazu beitragen.

Wie muss ich mir die Sitzungen des Kinder-OK vorstellen?

Am Anfang darf wirklich alles auf den Tisch. Wir machen ein Brainstorming und sammeln zuerst Ideen, ohne gleich zu sagen, was machbar ist und was nicht. Aber auch die wildesten Ideen tragen wir erstmals zusammen. Spannend ist, dass ich später relativ selten bremsen muss. Oft merken die Kinder in der Gruppe, dass etwas beispielsweise sehr teuer wäre.

Wir schauen auch gemeinsam aufs Budget. Wenn ein Wunsch viel kostet, erkläre ich ihnen: Wir könnten das machen, aber dann bleibt für andere Dinge entsprechend weniger übrig. Danach entscheiden und priorisieren wir gemeinsam.

Kreativ fürs Kinderfest: Die Kinder im Kinder-OK tüfteln, gestalten und setzen ihre eigenen Ideen gemeinsam um.

Wilde Ideen?

Einmal kam die Idee einer Seilbahn quer durchs Städtli. Das wäre natürlich grossartig gewesen. Solche Ideen versuchen wir zuerst weiterzudenken: Gibt es eine kleinere, machbare Variante davon? Die Seilbahn – oder eine Alternative davon – hat es dieses Jahr nicht ins Programm geschafft. Aber genau solche Ideen sollen auch diskutiert werden.

Die Kinder investieren dafür ziemlich viel Freizeit. Was nehmen sie aus dieser Arbeit mit?

Dieses Jahr hatten wir vor dem Fest neun Treffen, jeweils am Mittwochnachmittag oder nach der Schule. Das ist ein grosses Engagement.

Durch die Arbeit im OK lernen die Kinder ganz unterschiedliche Dinge. Sie gestalten, bauen und organisieren. Vor allem lernen sie aber, in einer Gruppe Entscheidungen zu treffen: zuhören, verhandeln, die eigene Idee einbringen und manchmal auch einen Kompromiss finden. Mir ist wichtig, dass nicht einfach nach fünf Minuten abgestimmt wird, sondern dass alle Platz haben – auch ruhigere Kinder.

Und dann ist da natürlich der Moment, wenn aus einer Idee tatsächlich etwas wird. Wenn ein Kind einen Stand von A bis Z mitplant und am Kinderfest plötzlich dort steht und ihn selber betreibt, macht das schon etwas. Da ist viel Stolz dabei.

Du hast früher in der Jugendarbeit gearbeitet. Hilft dir diese Erfahrung heute?

Sehr. Ich habe ungefähr fünf Jahre in der Jugendarbeit in Kloten und Kriens gearbeitet und dort viele Projekte mit Kindern und Jugendlichen gemacht. Studiert habe ich Soziokulturelle Animation. Partizipation und die Verbindung von Sozialem und Kultur waren dort wichtige Themen.

Was ich an der Arbeit mit Kindern bis heute mag, ist ihre Offenheit. Wenn das Umfeld stimmt und sie keinen Erwartungsdruck spüren, probieren sie einfach Dinge aus. Die Treffen sind deshalb auch für mich eine sehr schöne Abwechslung im Arbeitsalltag.

Das Fest ist für die Kinder – aber nicht nur, oder?

Die Freude der Kinder ist ziemlich ansteckend. Ich habe das Gefühl, dass sich auch Erwachsene an einem Kinderfest etwas freier und wilder bewegen können. Vielleicht kommt das eigene innere Kind wieder ein bisschen hervor.

Gleichzeitig ist es längst ein Mehrgenerationenfest. Es kommen Eltern, Grosseltern, Gottis und Göttis mit. An einem Kinderfest sind ungefähr gleich viele Erwachsene wie Kinder unterwegs. Für mich geht es deshalb auch stark ums Zusammenkommen und um Begegnungen.

Das Kinderfest knüpft an eine alte Lichtensteiger Tradition an. Wie viel von früher steckt heute noch darin?

Wir haben alte Bilder angeschaut. Die früheren Kinderfeste wirkten teilweise ganz anders: Da gab es Umzüge durch die Gassen, fast ein bisschen wie eine Prozession. Die heutige Form ist viel freier.

Die Idee, gemeinsam durchs Städtli zu ziehen, finde ich aber schön. Ein Stück davon kommt heute beispielsweise bei der Wasserschlacht wieder hinein. Auch das LIVING MUSEUM zieht dieses Jahr mit einem Krachdrachen durch die Gasse. Vielleicht könnte man die Geschichte des Kinderfests irgendwann noch stärker aufnehmen, etwa mit einer kleinen Ausstellung oder einer Städtliführung.

Und Hand aufs Herz: Worauf freust du dich selber fast so sehr wie die Kinder?

Auf die Wasserschlacht am Schluss! Am Kinderfest darf alles etwas wilder, humorvoller und selbstgemachter sein als sonst. Man probiert Dinge aus und muss nicht alles so institutionell angehen. Das nimmt auch für uns Erwachsene ein bisschen den Druck raus.

Ein Höhepunkt zum Schluss: Die Wasserschlacht gehört zu den beliebtesten Programmpunkten am Kinderfest.

Save the Date: Kinderfest Lichtensteig 2026

Samstag, 29. August 2026
Städtli Lichtensteig
14.00-18.00 Uhr
Mehr InfosExterner Link wird in einem neuen Fenster geöffnet. 

 

Maura Kressig ist 33 Jahre alt und in Wattwil aufgewachsen. Seit drei Jahren lebt sie in Ebnat-Kappel. Sie hat das Rathaus für Kultur in Lichtensteig mit aufgebaut und ist heute als Co-Leiterin tätig. Maura Kressig hat einen Bachelor in Soziokultureller Animation. In ihrer Freizeit kocht sie gerne und verbringt möglichst viel Zeit draussen mit ihrer Familie und ihren Freunden. An ihrer Arbeit schätzt sie besonders die Zusammenarbeit im – wie sie selbst sagt – «weltbesten Team».

 

Text: Nadja Brändle
Bilder: Hanes Sturzenegger

Maura Kressig, Co-Leiterin des Rathauses für Kultur, plant das Kinderfest gemeinsam mit dem Kinder-OK – damit die Kinder nicht nur mitfeiern, sondern auch mitgestalten.