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Bernadette Krucker und Christa Brändle: Tradition braucht Leute, die sie weitertragen

13. August 2026
Die Sonne scheint, das Alphorntrio spielt und auf dem Goldenen Boden sitzen Einheimische neben Gästen von auswärts. Ein kurzer Regensprutz um zwölf gehört dieses Jahr auch dazu. Für Bernadette Krucker und Christa Brändle ist die 1. Augustfeier genau das, was sie sein soll: unkompliziert und gesellig.

Organisiert wird die Feier vom Verkehrs- und Kulturverein Lichtensteig, kurz VKL. Bernadette Krucker ist seit 7 Jahren Präsidentin des Vereins, Christa Brändle kümmert sich seit einigen Jahren um die Festwirtschaft. Die beiden stehen damit stellvertretend für etwas, das im Städtli selbstverständlich wirken kann, aber viel Arbeit und Engagement braucht: Traditionen am Leben zu halten.

Alphorn statt Festrede

Die 1. Augustfeier ist bewusst traditionell. Das Alphorntrio gehört seit vielen Jahren dazu, dieses Jahr spielte zudem die junge Ländlermusik «Trio Rahmebruch» aus Dietfurt. Solche Musik hört man in Lichtensteig sonst nicht jeden Tag. Genau das gefällt den beiden – und den vielen Gästen. Eine Festrede hingegen gibt es nicht. «Das ist schon lange – vermutlich seit der VKL die Feier organisiert», erklärt Bernadette Krucker. Während andernorts am 1. August gesprochen wird, setzt Lichtensteig auf Musik, Festwirtschaft und Zusammensitzen. Von 11 bis 16 Uhr, gemütlich und mitten in den Sommerferien.

Für Bernadette Krucker gehört vor allem das Alphorntrio fest zur Feier. Christa Brändle mag das Organisieren selbst. Sie sagt: «Vieles lässt sich im Voraus vorbereiten, der Anlass bleibt überschaubar.»

Bewahren heisst auch verändern

Der VKL organisiert mehrere traditionelle Anlässe in Lichtensteig. Dabei geht es Christa Brändle und Bernadette Krucker nicht darum, alles genauso weiterzuführen wie vor dreissig Jahren. «Punktuelle Veränderungen gehören dazu», sagt die Präsidentin. «Das Herbstfest etwa war früher ein Weinfest und ist heute auf ein breiteres Publikum ausgerichtet.»

Auch der VKL selbst möchte sichtbarer werden. Seit dem Wakkerfest 2023 taucht sein Crêpes-Stand immer wieder an anderen Veranstaltungen auf. Christa Brändle meint dazu: «Wir beteiligen uns dort, wo es passt, etwa am Super Saturday – auch schon am Kinderfest, der VKL soll für die Bevölkerung sichtbar sein.»

Noch mehr neue Veranstaltungen braucht Lichtensteig aus Sicht der beiden dagegen nicht zwingend. Im Städtli sei bereits viel los. «Entscheidend ist vielmehr, bestehende Formate weiterzuentwickeln, wenn sich Bedürfnisse verändern», äussert sich Bernadette Krucker.

Wer trägt die Tradition morgen?

Genau hier kommt die nächste Generation ins Spiel. Bernadette gibt ihr Amt als Präsidentin im Februar 2027 ab. Der VKL sucht deshalb Menschen, die im Vorstand mitmachen möchten – gerne auch jüngere. Es muss nicht eine einzelne Person die präsidialen Aufgaben übernehmen. «Auch zwei oder drei neue Vorstandsmitglieder wären willkommen», meint Bernadette Krucker.

Denn wer jüngere Generationen erreichen will, braucht sie auch dort, wo entschieden und organisiert wird. Für Bernadette Krucker ist die Vorstandsarbeit weniger aufwändig, als viele zunächst denken. Mit der Zeit komme Routine hinein. Sie sagt: «Und man bekommt einiges zurück: ein grosses Netzwerk, neue Bekanntschaften und die Möglichkeit, im eigenen Städtli vielen Menschen eine Freude zu machen.» Nach den Sitzungen darf es im Vorstand auch gemütlich werden.

Christa ist ohnehin lieber mittendrin als am Schreibtisch. Ihre unbeliebteste Aufgabe als Festwirtin? «Alles, was am Laptop erledigt werden muss», sagt sie lachend. «Eine Menükarte gestalten zum Beispiel.»

Damit man sich weiterhin kennt

Warum braucht es solche Feste überhaupt? Für Christa Brändle und Bernadette Krucker liegt die Antwort weniger im Programm als an den Tischen. Menschen treffen sich, kommen miteinander ins Gespräch und sehen bekannte oder neue Gesichter. Familien ebenso wie ältere Menschen – und manchmal auch jemand, der eigentlich nur durchs Städtli laufen wollte und spontan sitzen bleibt.

Die Präsidentin meint: «Damit ein kleiner Ort nicht anonym wird, braucht es solche Gelegenheiten. Lichtensteig hat davon viele und sehr unterschiedliche. Für jeden ist etwas dabei.»

Und dafür braucht es neben Alphorn, Festwirtschaft und vollen Tischen eben noch etwas anderes: Menschen, die machen!

Bernadette Krucker ist seit 7 Jahren Präsidentin des Verkehrs- und Kulturvereins Lichtensteig.

Mitmachen beim VKL

Der VKL sucht neue Mitglieder für den Vorstand, Menschen, die das Vereinsleben und die Anlässe in Lichtensteig mitgestalten möchten. Interessierte dürfen sich gerne bei der Präsidentin Bernadette Krucker melden: info@verkehrsverein-lichtensteig.ch

 

Bernadette Krucker ist Präsidentin des VKL und gibt ihr Amt im Februar 2027 ab. Die 47-Jährige ist in Lichtensteig aufgewachsen und wohnt seit über 40 Jahren mit ihrer Familie in Lichtensteig. Sie wurde 2019 zur Präsidentin des VKL gewählt.

Christa Brändle ist beim VKL für die Festwirtschaft verantwortlich. Die 40-Jährige ist in Lichtensteig aufgewachsen und lebt hier mit ihrer Familie. Sie schätzt die Traditionen in Lichtensteig und möchte diese für die nächsten Generationen bewahren und weitergeben.

 

Text und Bild: Nadja Brändle

 

Der VKL organisiert bereits seit geraumer Zeit die Lichtensteiger 1. Augustfeier. Ein Zeitungsbericht von 1976 dokumentiert eine damalige Bundesfeier auf dem Goldenen Boden, bei der der Verkehrsverein mit einem neuen Veranstaltungskonzept Akzente setzte:

Ein Zeitungsbericht aus dem Jahr 1976 zum Bundesfeiertag.

 

Bernadette Krucker (links), Präsidentin des Verkehrs- und Kulturvereins Lichtensteig, und Christa Brändle, verantwortlich für die Festwirtschaft, setzen sich gemeinsam dafür ein, dass Traditionen im Städtli lebendig bleiben.

Zugehörige Objekte

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VKL Bundesfeier - Zeitungsbericht 1976 (PDF, 2.78 MB) Download 0 VKL Bundesfeier - Zeitungsbericht 1976