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Fridolin Eisenring: Ein Kilometer, Grün und Himmel

9. Juli 2026
Wenn Anfang Mai die Mini.Badi ihre Tore öffnet, gehört Fridolin Eisenring zu den Ersten, die sich auf den Weg ans Wasser machen. Mehr als 50-mal pro Saison zieht der ehemalige Stadtammann seine Bahnen – immer einen Kilometer.

«Wenn ich am Schwimmen bin, sehe ich nur Grün und Himmel», sagt Fridolin Eisenring mit leuchtenden Augen.  Viel mehr brauche es für einen gelungenen Baditag nicht. Für den 77-Jährigen ist die Mini.Badi weit mehr als ein Ort zum Schwimmen. Sie begleitet ihn seit fast vier Jahrzehnten – zuerst als Stadtammann, heute als begeisterter Stammgast.  

Ein Ort, der verbindet  

Als Fridolin Eisenring 1988 mit seiner Familie nach Lichtensteig zog, wohnte er ganz in der Nähe der Badi. Nach der Arbeit führte ihn der Weg oft direkt ins Wasser. Damals war die Anlage bereits ein beliebter Treffpunkt. «Viele kamen nicht nur zum Schwimmen, sondern trafen sich über Mittag oder am Abend im Restaurant», erklärt Fridolin Eisenring. Die Grundstruktur der Badi war bereits dieselbe wie heute. Das Schwimmerbecken und der Sprungturm gehörten schon damals dazu. Im Laufe der Jahre kamen weitere Angebote wie das Beachvolleyballfeld hinzu. 

Während seiner Amtszeit erlebte Fridolin Eisenring aber nicht nur bauliche Veränderungen. Auch die Menschen prägten die Mini.Badi. Betreiber wechselten, Badmeisterinnen und Badmeister kamen und gingen. Geblieben ist für ihn vor allem eines: die besondere Atmosphäre.  

Schwimmen ohne Prothese  

Dass Fridolin Eisenring bis heute fast täglich schwimmt, ist keine Selbstverständlichkeit. Als Neunjähriger wurde sein rechtes Bein nach einem schweren Unfall mit einer Kuh oberhalb des Knies amputiert. Im Wasser spielt das kaum eine Rolle. Die Bewegungen – vor allem mit den Armen – gleichen den Unterschied ganz selbstverständlich aus. 

Fridolin Eisenring sagt: «Schwimmen ist für mich vor allem ein wichtiger Ausgleich und ich fühle mich wohl im Element Wasser.» Gleichzeitig geniesst er einen Moment, den er an Land so nicht erlebt: sich ohne Prothese frei bewegen zu können.

Kein Rutschbad – und genau das macht den Reiz aus  

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Mini.Badi stetig weiterentwickelt. Erst 2002 wurde die Anlage umfassend saniert, aktuell sorgen eine neue Beckenfolie und eine moderne Beckenabdeckung dafür, dass sie auch für die Zukunft gut gerüstet ist. Fridolin Eisenring freut sich über diese Investitionen. Schon bei der früheren Sanierung setzte er sich für eine langlebige Lösung ein. Einen Wunsch nach einer grossen Erlebnisbadi hat er dagegen nicht. «Ich vermisse kein Rutschbad. Damit hat man eine ruhige Anlage. Perfekt zum Schwimmen», erklärt er.  

Gerade diese Überschaubarkeit mache den Charakter der Mini.Badi aus. Sie sei kein Massenbetrieb, sondern ein Ort, an dem sich Familien, Kinder, Jugendliche und ältere Menschen gleichermassen wohlfühlen.  

Lebensfreude für das Städtli  

Was Fridolin Eisenring an der Mini.Badi am meisten schätzt, sind die Begegnungen. Viele Gäste kommen aus der Region, andere reisen von weiter her an. Er freut sich «Man lernt neue Menschen kennen, kommt ins Gespräch und trifft bekannte Gesichter wieder.»  

Für ihn strahlt diese Stimmung weit über den Gartenzaun der Badi hinaus. Im Sommer bringe die Mini.Badi Lebensfreude ins Städtli. Die gepflegte Anlage, die freundliche Atmosphäre und die vielen Begegnungen sorgten dafür, dass sich Menschen mit Lichtensteig identifizieren. 

Auch die Mini.Badi-Beiz gehört für ihn dazu. Er zählt zu den regelmässigen Gästen und feiert dort auch seinen Geburtstag.  

Und wenn er einen Wunsch für die Mini.Badi frei hätte? Dann würde er das Open-Air-Kino zurückbringen, das früher einmal auf der Badiwiese stattfand! «Denn die Mini.Badi ist für mich schon immer mehr als ein Schwimmbad.»  

Gemeinsam für die Badi 

Dass die Mini.Badi heute so selbstverständlich zu Lichtensteig gehört, war nicht immer so. Als in den 1960er-Jahren der Bau der heutigen Anlage geplant wurde, stand die Bevölkerung gemeinsam hinter dem Projekt. Mit viel Engagement wurden Ideen gesammelt und Geld für das neue Freibad beschafft. Für Fridolin Eisenring und die Lichtensteiger Bevölkerung ist genau dieser Zusammenhalt bis heute ein Teil der Geschichte der Mini.Badi. 

Ein schönes Zeitdokument aus dieser Zeit ist ein Fernsehbeitrag des Schweizer Fernsehens aus dem Jahr 1965. Darin wird über ein Fest zur Finanzierung des neuen Schwimmbads berichtet – ein eindrücklicher Einblick in die Aufbruchsstimmung jener Jahre und in das grosse Engagement der Bevölkerung. 

Den historischen SRF-Beitrag «Fest Lichtensteig» aus dem Jahr 1965 finden Sie hierExterner Link wird in einem neuen Fenster geöffnet..  

Fridolin Eisenring (77) kam 1988 als neu gewählter Stadtammann mit seiner Familie nach Lichtensteig. Neben diesem Amt leitete er das Grundbuchamt, das Vormundschafts- und Fürsorgewesen, die Bauverwaltung, die Wasserversorgung, sowie verschiedene Kommissionen. Nach seiner Verwaltungslehre in Zuzwil war er zunächst Gemeinderatsschreiber in Häggenschwil und später Gemeindeammann von Berg SG. 

Auch nach seiner Pensionierung als Bischöflicher Kanzler engagiert sich Fridolin Eisenring vielfältig für die Öffentlichkeit – unter anderem als Städtliführer, im Vorstand der Städtlibibliothek, beim Behindertensport des Kantons St.Gallen, in der Fachberatung von Privatpersonen sowie in verschiedenen kirchlichen Aktivitäten. Der 77-Jährige lebt mit seiner Frau an der Oberplattenstrasse, hat drei Kinder und sechs Enkelkinder. In seiner Freizeit interessiert er sich für Kultur, reist gerne und ist in und um Lichtensteig regelmässig mit dem E-Bike unterwegs. 

HierExterner Link wird in einem neuen Fenster geöffnet. gibt es mehr Infos zur Mini.Badi.

Text und Bild: Nadja Brändle (Stadtverwaltung)

Fridolin Eisenring besucht die Mini.Badi während der Saison fast täglich und zieht jeweils einen Kilometer seine Bahnen.