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Roland Huber: «Im Huber trifft man sicher ein/e Huber!»

7. Mai 2026
Wenn im Städtli noch vieles ruhig ist, brennt im Café Huber oft schon seit Stunden Licht. Unter der Woche beginnt der Arbeitstag um fünf Uhr morgens, samstags sogar bereits um vier. Dann wird in der Backstube gearbeitet, Brot vorbereitet, Gipfeli gebacken oder Pâtisserie hergestellt. Später füllt sich langsam das Café. Stammgäste kommen zum Kaffee, andere holen sich Brot oder treffen sich kurz auf einen Schwatz.

Seit 1913 gehört das Café Huber zum Städtli. Heute führen die Geschwister Roland Huber und Marianne Glosse den Familienbetrieb in vierter Generation. «Vieles hat sich in dieser Zeit verändert», sagt Roland Huber. Gewisse Gewohnheiten seien verschwunden, neue Ansprüche dazugekommen. Gerade in der Gastronomie spüre man gesellschaftliche Veränderungen direkt.

Wandel im Alltag

Früher seien Cafés stärker klassische Treffpunkte gewesen. Heute laufe vieles digitaler ab, spontane Begegnungen würden weniger. Roland Huber ist der Meinung: «Immer weniger junge Menschen finden den Weg in klassische Gastronomiebetriebe.» Gleichzeitig habe sich auch das Konsumverhalten verändert: vegetarische Angebote, Allergien oder Fragen zur Herkunft von Produkten gehörten heute selbstverständlich dazu. Dazu kommen rückläufige Laufkundschaft, was die Situation für viele Gastronomiebetriebe im Städtli und anderswo erschwert.

«Immer weniger junge Menschen finden den Weg in klassische Gastronomiebetriebe.»
Roland Huber, Café Huber

Trotzdem gibt es Dinge, die für Roland Huber zentral bleiben. Der traditionelle Huber-Biber etwa, die Qualität der Produkte oder der persönliche Service. Und natürlich die Familie selbst: «Im Huber trifft man sicher ein Familienmitglied von uns an. Irgendjemand ist in der Regel immer da», erklärt Roland Huber.

Roland Huber packt in der Backstube mit an.

Dass immer jemand da ist, sei im Café Huber fast selbstverständlich geworden. Die Eltern helfen weiterhin mit, wenn Unterstützung gebraucht wird. Vater Max unterhalte gerne Gäste, erzählt Roland Huber schmunzelnd. Und Mutter Maria übernimmt so manche Schichten ausserhalb der Stosszeiten. Überhaupt sei der Zusammenhalt in der Familie immer wichtig gewesen.

Zwischen Tradition und neuen Ideen

Stillstand ist im Café Huber trotzdem kein Thema. Immer wieder entstehen neue Ideen — manchmal auch spontan. So etwa bei der Mini.Pride in Lichtensteig. Gemeinsam mit seiner Frau Claudia entwickelte Roland Huber die Idee der Pride-Cremeschnitten. Die bunten Cremeschnitten mit kleinen Herzchen waren bereits im letzten Jahr, bei der ersten Mini.Pride in Lichtensteig, schnell ausverkauft.

Dieses Jahr wurde deshalb erstmals ein Vorbestellformular in Umlauf gebracht. Über hundert Stück seien bereits im Voraus bestellt worden. Zusätzlich produzierte das Team nochmals rund 150 Cremeschnitten. «Und gegen 16 Uhr waren alle verkauft», verkündet Roland Huber begeistert.

Sieben Tage Betrieb

Der Alltag im Café Huber bleibt gleichzeitig intensiv. Roland Huber sagt: «Wir haben das Café sieben Tage die Woche geöffnet.» Gerade die vielen Präsenzzeiten würden von aussen oft unterschätzt, meint er. Zum Beispiel auch dann, wenn an einem dunklen, kalten Winterabend weniger Gäste unterwegs seien, müsse jemand vor Ort sein.

Trotzdem merkt er immer wieder, welche Bedeutung das Café für viele Menschen hat. Besonders dann, wenn der Betrieb einmal geschlossen bleibt, zum Beispiel während der Sportferien Anfang Jahr. Manche würden dann sagen, das Städtli sei wie tot, teilt Roland Huber mit.  

«Ich habe von Gästen schon sagen hören, dass das Städtli wie tot sei, wenn das Huber zu hat.»
Roland Huber, Café Huber

Besonders sichtbar werde das bei den vielen Stammgästen. Manche Gruppen treffen sich seit Jahren regelmässig im Café. Andere seien mit der Zeit kleiner geworden. Einige Begegnungen blieben trotzdem konstant: «Wie der ‘Ententeich’», sagt Roland Huber lachend. Der Ententeich sei eine Gruppe von vier bis acht Frauen – Freundinnen der Mutter Maria Huber – die sich wöchentlich im Café trifft.

Frisch gebackene, fein duftende Brötchen vom Café Huber

Und wie sieht die Zukunft aus?

«Im Idealfall», sagt Roland Huber, «geht das Café Huber einfach weiter.» Grössere Veränderungen sind nicht geplant oder von Bedarf. Einzig müssen in den nächsten Jahren einige Geräte ersetzt oder kleinere Digitalisierungsprojekte angepackt werden. Gleichzeitig gehe es aber vor allem darum, das beizubehalten, was viele mit dem Café verbinden: gute Produkte, persönliche Begegnungen und eine gewisse Verlässlichkeit mitten im Städtli. Oder einfacher gesagt: ein Ort, an dem man sich trifft – seit vielen Generationen.
 

Roland Huber ist in Lichtensteig geboren und aufgewachsen. Nach seiner Lehre als Konditor-Confiseur arbeitete er an verschiedenen Orten, unter anderem am Zürichsee, in Appenzell oder am Flughafen Zürich. 2009 kehrte er in den Familienbetrieb zurück, seit 2014 führt er diesen gemeinsam mit seiner Schwester Marianne Glosse.

Schauen Sie vorbei!
 

Café-Conditorei Huber AG
Postgasse 2
9620 Lichtensteig
Tel. 071 987 69 49
info@cafe-huber.ch
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Text & Bilder: Nadja Brändle 

 

Roland Huber führt gemeinsam mit seiner Schwester Marianne Glosse das Café Huber in vierter Generation.