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Digitale Nomaden schlagen ihre Zelte auf

23. November 2022
Ein bekanntes Programm soll junge Städter zum Probewohnen nach Lichtensteig locken

Das in Deutschland bekannte und erfolgreiche Programm «Summer of Pioneers» kommt erstmals in die Schweiz – genauer nach Lichtensteig. Kreative Stadtmenschen dürfen im Städtli probewohnen und engagieren sich im Gegenzug aktiv in der Gemeinde mit ihren Ideen.

Die Bahnhalle Lichtensteig, wo auch das Chössi-Theater zu Hause ist, befindet sich in Aufbruchsstimmung. Anfang dieses Jahres kündete die gemeinnützige Stiftung «Zukunft Bahnhof» mit dem Stiftungsrats- und Gemeindepräsidenten Mathias Müller an, die Bahnhalle von der Familie Schiess zu übernehmen. Das Bahnareal soll einen Mehrwert für die lokale Bevölkerung schaffen und das Bahnhofsquartier als Tor zu Lichtensteig aufwerten.

Das erste grosse Projekt, welches nun im Rahmen der Zukunftsgestaltung des Bahnhofs Lichtensteig umgesetzt wird, hat Vorreitercharakter. Kommenden Sommer findet das erfolgreiche Programm «Summer of Pioneers» aus Deutschland zum ersten Mal in der Schweiz statt. Dabei sollen 20 junge Kreativtalente die Zukunft von Lichtensteig mitprägen.

Initiantin des Programms ist die Organisation Neulandia, die bereits diverse nationale und europäische Preise gewonnen hat. Neulandia-Geschäftsführer Frederik Fischer erklärte gemeinsam mit dem Gemeindepräsidenten Mathias Müller am Montagabend an einer Pressekonferenz in der Bahnhalle, wie das Programm funktioniert.

 

Digitale Nomaden und Kreativköpfe

In fast allen europäischen Grossstädten sehnt sich über die Hälfte der Bewohnerinnen und Bewohner danach, in eine ländliche Region zu ziehen. Der Job und die Angst vor sozialer Isolation würden die oft jungen Leute aber davor abhalten, diesen Schritt zu wagen, erläutert Frederik Fischer. «Und da kommt das Programm Sommer of Pioneers ins Spiel.»

In Zusammenarbeit mit der Gemeinde möchte das Programm 20 kreative und inspirierende Menschen, Fischer nennt sie «Pioniere», aus dem urbanen Raum nach Lichtensteig locken. Interessierte müssen sich durch einen Wettbewerb für einen Programmplatz qualifizieren.

Die Teilnehmer ziehen dann für sechs Monate ins «Städtli», wohnen dort zu günstigen Konditionen in Leerwohnungen, arbeiten in einem gemeinsamen Co-Working-Space und entwerfen im Begegnungszentrum Bahnhalle Projektideen, unter anderem zur Entwicklung des Bahnhofareals.

Im Gegenzug zu diesem Probewohnen engagieren sich die Projektteilnehmenden für die Region, integrieren sich aktiv in Lichtensteig, nehmen am öffentlichen Leben teil und setzen gemeinsam mit Einheimischen Projekte um. In Deutschland bewährte sich das Projekt bereits in fünf Kommunen, nun sollen auch in Lichtensteig Digitalarbeitende und Kreative ins Gemeindeleben eingebunden werden. Erfahrungsgemäss sei das Programm für die Gemeinde keine Ausgabe, sondern eine Investition. Frederik Fischer führt aus:

«Nur Bewerbende, die ihr Bedürfnis nach Selbstwirksamkeit beweisen und mit ihren Fähigkeiten in der Gemeinde etwas bewirken können, werden als Pioniere in das Programm aufgenommen.»

 

Rund die Hälfte bleibt

Die Erfahrung zeige, dass rund die Hälfte der Projektteilnehmenden nach dem sechsmonatigen Probewohnen nicht mehr in die Grossstadt zurückkehren, sondern der Kommune treu bleiben und an den Projekten weiterwirken.

Die Bahnhalle Lichtensteig dient den Pionieren als Begegnungszentrum. Ihr Mitwirken soll die Entwicklung des Bahnhofareals vorantreiben und das denkmalgeschützte Gebäude als Kulturort und Treffpunkt für die Bevölkerung Lichtensteigs weiterentwickeln.

Auch Mathias Müller ist überzeugt, dass sich das Projekt ideal in die Zukunftsvision der Gemeinde Lichtensteig einfügt. «Die Teilnehmenden bringen die Möglichkeiten der Digitalisierung mit viel Expertise nach Lichtensteig.» Zudem strebe die Gemeinde ein Bevölkerungszuwachs an, insbesondere von Bewohnerinnen und Bewohnern im Alter zwischen 20 und 30 Jahren.

Digitale Nomaden schlagen in Lichtensteig ihre Zelte auf (tagblatt.ch)

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